Warum Lust im Alltag verschwindet
- Redaktion Perfumed Garden

- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Lust ist langsam. Unser Leben ist schnell. Das ist das Problem.
Wir erwarten, dass Begehren abends zuverlässig auftaucht zwischen Spülmaschine, WhatsApp, Wäsche und „Hast du noch kurz…?“.
Als wäre Lust eine Funktion, die man einschaltet, wenn endlich Ruhe ist.
Nur: Ruhe ist selten.
Lust braucht etwas, das im Alltag knapp geworden ist: Leere. Nicht als Langeweile, sondern als Raum. Raum, in dem nichts gelöst werden muss. Raum, in dem der Körper nicht weiter organisiert, plant, reagiert. Raum, in dem etwas Unnützes passieren darf wie malen, basteln, sortieren.
Der Alltag macht das Gegenteil: Er frisst Mikroenergie.
Er teilt Aufmerksamkeit in tausend Tabs. Er hält das System auf bewältigen. Und wenn wir dauerhaft bewältigen, ist Erotik oft das Erste, was verschwindet – nicht weil die Beziehung falsch ist, sondern weil Tempo falsch ist.
Das alte Narrativ sagt: „Dann müsst ihr halt wieder mehr Zeit füreinander nehmen.“ Das Perfumed Garden Narrativ ist härter – und wahrscheinlich hilfreicher: Zeit ist nicht nur eine Ressource. Zeit ist ein Zustand.
Du kannst zwei Stunden „Date Night“ haben und trotzdem keine Lust, wenn der Kopf noch rennt. Und du kannst fünf Minuten Lust erleben, wenn vorher etwas passiert ist, das dein System umschaltet: ein Moment ohne Forderung. Ohne To-do. Ohne Ziel.
Was bedeutet das praktisch?
Lust ist nicht planbar wie ein Termin. Aber Bedingungen sind planbar. Das ist der Unterschied.
Begehren braucht Abstand von Funktion. Wenn du dich den ganzen Tag als Funktionswesen fühlst, ist es logisch, dass du abends nicht plötzlich spielst.
Druck ist der schnellste Lust-Killer. „Wir müssten mal wieder“ klingt wie Pflicht. Und Pflicht klingt nicht wie Lust.
Die Frage ist also nicht: „Warum klappt Sex nicht?“Sondern: „Wo ist in meinem Leben überhaupt noch Raum, in dem nichts verlangt wird?“
Lust taucht oft nicht auf, wenn man sie sucht. Sie taucht auf, wenn etwas aufhört: Druck. Tempo. Rolle.
Und manchmal ist das Fortschrittlichste, was ein Paar tun kann: nicht „mehr Sex“, sondern erstmal mehr Raum.



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