Guter Sex muss nicht knallen
- Redaktion Perfumed Garden

- vor 1 Tag
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Aktualisiert: vor 12 Stunden

Wenn Sex „zurückkommen“ soll, erzählt schon das Wort ein altes sexuelles Skript.
Ich habe hier einen Screenshot aus einer aktuellen Frauenzeitschrift veröffentlicht. Nicht, um zu bashen, sondern um sichtbar zu machen, wie tief unsere Sexerzählungen noch immer in alten Drehbüchern stecken.
Da steht sinngemäß: Wie man die „vorfreudige Erregung“ zurückgewinnt. Und genau an diesem Verb hängt alles.
„Zurückgewinnen“ ist kein harmloses Wort
Es setzt einen Idealzustand: Anfang. Knistern. Erster Kuss. Verzehrung. Und wenn es sich heute anders anfühlt, klingt es plötzlich nach: Dann ist etwas weg. Dann stimmt etwas nicht. Mit mir. Mit uns.
Das ist ein Skript. Ein sehr verbreitetes.
Das Problem: Sex ist kein Ort, zu dem man zurückkehrt. Sex ist kein Level, den man „wieder erreicht“. Sex ist ein Verhältnis, das sich verändert mit Körpern, Alltag, Zeit, Vertrauen, Nähe. Mit dem, was wir erlebt haben. Mit dem, was wir uns trauen. Mit dem, was wir nicht mehr mitmachen.
Wenn Lust sich wandelt, ist das nicht automatisch Verlust.
Es kann auch Entwicklung sein.
Was mich an vielen Mainstream-Texten stört, ist nicht, dass sie über Lust schreiben. Sondern wie:
Sie machen Lust zu etwas, das man „hat“ oder „nicht hat“.
Sie messen „gute Sexualität“ an Intensität.
Sie reden viel über „Knistern“ und wenig über Kontext: Grenzen, Timing, Verantwortung, Nachhall.
Sie lassen Risiken und Konsequenzen oft einfach weg – als wäre Sex nur Stimmung und nicht auch Realität.
Genau das ist unser Blindfeld in der Kultur: Sex wird als Entertainment erzählt – und nur selten als gereifte Erfahrung.



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