Wie liebt es sich mit devoter Lust?


Du hattest mir etwas Besonderes versprochen und dass ich dazu nicht Nein sagen durfte, war Teil unseres Spiels. Dass ich nicht nein sagen wollte, weil mir gefiel, was zwischen uns geschah, auch.

BDSM bedeutet nicht immer das Gleiche. Jede, die auf diese Weise Sexualität erlebt und genießt, definiert ihr eigenes Spiel. Und jedes Paar, das „spielt“, spielt auf seine Weise. Weil sich zum einen die Dinge, die ich als Praktizierende mag und bevorzuge, stets wandeln, aber auch weil jedes Paar seinen persönlichen Rhythmus und Formenkreis findet.

Für dich und mich gab es mehrere Ebenen, auf denen wir zusammenfanden:

Du mochtest mir weh tun.

Ich mochte, wenn du mir weh tatest.

Du mochtest mich fixieren und restringieren.

Ich mochte fixiert und restringiert werden.

Und ab und zu genossen wir einfach die Psychologie, die jedes Paar, das aus einem dominanten und einem submissiven (oder devoten) Part besteht, für sich entwickelt. Das waren Momente, in denen nicht viele Worte nötig waren. Da verstanden wir einander. Noch einen Augenblick zuvor waren wir ein Mann und eine Frau auf Augenhöhe, wir plauderten und tauschten uns über Alltägliches aus, im nächsten Moment änderte sich die Atmosphäre im Raum und es genügten kurze Blicke und kleine Gesten und wir wussten, dass wir nun das Spielfeld betreten hatten.

„Ich fröstelte etwas, teils aufgrund der knappen Bekleidung, teils vor Nervosität.“

Auf diesem Spielfeld befanden wir uns an jenem Abend. „Wir gehen aus”, hattest du gesagt, ohne Näheres zu erläutern, aber auch ohne Widerspruch zu dulden. Ich hatte dies und das zu tragen, hattest du angewiesen, und es war nicht viel, was du mir unter meinem Regenmantel anzuziehen erlaubtest. Hohe Schuhe, schwarze Nahtstrümpfe, schwarze Spitzenwäsche, ein Strapsgürtel. Ich fröstelte etwas, teils aufgrund der knappen Bekleidung, teils vor Nervosität. Wieso wirktest du eigentlich nie nervös? Man musste dich gut kennen, um dir so etwas wie Nervosität anzusehen. Vielleicht an der Art, wie du dir manchmal von innen auf die Unterlippe bissest, wie der kleine Kiefermuskel auf der linken Seite zuckte. Mehr Zeichen gab es auch diesmal nicht. Du führtest mich an der Hand über die regennasse Straße und ich trippelte, weil die hohen Absätze meinen Gang unsicher machten. Ich fühlte mich ein wenig hilflos, aber das war alles bereits Teil des Spiels. Vor dem teuren Hotel mit der großen Glasdrehtür im Eingang hieltest du an. Ich hatte Fragen, aber ich stellte sie nicht. Du sagtest dem Portier etwas und er nannte dir eine Zimmernummer. Und ich schwöre, ich sah in seinem Auge den Schalk aufblitzen, obwohl sein Gesicht ansonsten professionell unbeweglich blieb.

„Ich hatte keinerlei Erfahrung mit Intimität vor Publikum“


Während wir mit dem Aufzug in den vierten Stock fuhren, schlug mir das Herz bis zum Hals. Wir würden heute Abend nicht zu zweit bleiben, soviel ahnte ich schon und das brachte mein Nackenhaar zum Prickeln. Ich hatte keinerlei Erfahrung mit dem Spielen oder überhaupt mit Intimität vor Publikum. Auf ein besonderes Klopfzeichen hin öffnete sich die Tür in eine weitläufige Suite mit einem großen, offenen Wohnbereich, mehreren Schlafzimmern und einem ebenfalls offenen Badebereich, dessen spektakulärer Mittelpunkt ein Whirlpool war. An der Garderobe empfing uns eine ausgesprochen schöne, junge Frau in winziger weißer Wäsche. Sie trug nur eine Büstenhebe, sodass der schönste Teil ihrer zierlichen Brüste uns freudig begrüßte. Ich mag Frauen, auch sexuell, und die offene und beinahe komplette Nacktheit dieser Frau machte mich beschwipst, noch bevor ich das erste Glas Sekt in der Hand hielt. Die ersten Momente in diesem Raum, der mäßig gefüllt war mit ebenfalls spärlich bekleideten Gästen, die uns allesamt neugierig musterten, waren nicht einfach. Ich mochte mich nicht recht von meinem Regenmantel trennen und versuchte, meine aufkeimende Panik in den Griff zu bekommen. Deine Hand legte sich in meinen Rücken und ich hörte deine Stimme in meinem Kopf. „Ich weiß, du hast ein wenig Angst, aber bleib! Ich bin bei dir. Jederzeit.“ Es war erstaunlich, wie schnell ich dank deiner Präsenz die Scheu vor diesem Abenteuer verlor. Du schautest gern zu, das war etwas, das dir einen Kick gab, und an jenem Abend gab es viel zu sehen: Paare und Grüppchen von Menschen, die sich auf alle möglichen Arten miteinander vergnügten.

„Ich will dich mit ihm sehen!“

Mir schwirrte der Kopf, aber du gabst mir mit deinen in mein Ohr geflüsterten Anweisungen einen Rahmen, an dem ich mich festhalten konnte und der dazu führte, dass ich mich fantastisch amüsierte. Du und ich, wir kannten einander. Du wusstest genau, was mir gefiel und was nicht, wie weit ich gehen würde und wie weit nicht. Du führtest mich mit einer kleinen, rundlichen Frau mit wundervollen Brüsten zusammen und beobachtetest, wie wir uns im Whirlpool miteinander vergnügten, bevor du dich zu uns geselltest. Dann fiel dir auf, dass ein junger Mann sich sehr um mich bemühte. Respektvoll, mit Abstand, da er unsere Paardynamik erkannte, aber dennoch merklich. Er gefiel mir. Du flüstertest mir zu: „Ich will dich mit ihm sehen. Einfach nur sehen. Dort drüben, auf dem Bett. Was meinst du?“ Mir schoss durch den Kopf, was für eine immense Grenzaustestung das war, denn ich würde, wenn man den Rahmen mal außer Acht ließ, mit einem anderen Mann schlafen. Aber das war eben der Punkt: Man konnte diesen besonderen Rahmen nicht außer Acht lassen.

„Du leitetest mich, wie es deiner Lust entsprach.“


Normale Beziehungsdynamiken würden an dieser Stelle aus den Angeln gehoben, wenn man sich nicht gut kennt und einander nicht bedingungslos vertraut. In deinen Augen hingegen brannte die pure Lust, als du mich mit dem jungen Mann beobachtetest und diese Lust in deinem Blick machte mein eigenes Erleben zu einer vollkommen neuen und unglaublich erregenden Erfahrung.

D und S, Dominance and Submission, das bedeutete für uns an diesem Abend, dass du mich leitetest, wie es deiner Lust entsprach, aber niemals darüber hinaus, was du sehr richtig als meine Lust erkanntest. Natürlich hätte ich jederzeit „Nein“ oder „Stopp“ oder „das mache ich nicht“ sagen können. Aber Himmel, das wollte ich nicht.

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