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Porn, but Make It Smart

  • Autorenbild: Redaktion Perfumed Garden
    Redaktion Perfumed Garden
  • 11. März
  • 2 Min. Lesezeit

Erotische Literatur ist oft langweilig, männlich und unerquicklich fantasielos. Frau Andresky wollte das nie hinnehmen. Im Gespräch mit Perfumed Garden spricht sie über weibliche Lust, feministische Pornografie, Humor beim Sex und darüber, warum man nicht alles ausprobieren muss, nur weil es theoretisch möglich ist.


Frau vor dem Sessel genervt

Was hat Sie überhaupt dazu gebracht, über weibliche Lust zu schreiben?

Meine eigene Lust. Ich habe früh gemerkt, dass mich Sprache erotisiert, dass es mich anmacht, über Sex zu reden. Und dann fiel mir auf, wie unerquicklich begrenzt die meisten Darstellungen waren: männliche Perspektive, dieselben Praktiken, dieselben Fantasien, null Handlung, null Humor. Pornografie war für mich lange eine absolut humorlose Zone. Das fand ich unerquicklich und änderungsbedürftig.


Sie schreiben unter Pseudonym. Warum?

Weil es mich freier macht. Ich kann direkter, saftiger, vulgärer schreiben, wenn ich in dieses zweite Ich wechsle. Und ich möchte weder in der U-Bahn erkannt werden noch meinen Leser*innen mit meiner Person in die Quere kommen. Erotik braucht manchmal Distanz. Die Fantasie soll arbeiten dürfen.


Was ist Ihnen beim Schreiben von Sexszenen wichtig?

Konsens. Safer Sex. Und die Idee, dass es „normal“ im sexuellen Sinn eigentlich nicht gibt. Es gibt sehr viele Formen von Lust, sehr viele Vorlieben, sehr viele Arten, Sex zu leben und keine davon ist automatisch richtiger als die andere, solange alle Beteiligten einverstanden sind.


Sie sagen auch: Man darf alles machen, aber man muss nicht.

Genau. Das ist mir sehr wichtig. Gerade Frauen erleben ja oft einen Druck, offen, cool und experimentierfreudig zu wirken. Aber Freiheit heißt nicht, alles mitzumachen. Freiheit heißt auch, etwas nicht zu wollen und das muss okay sein.


Warum spielt Humor in Ihren Büchern so eine große Rolle?

Weil Sex manchmal saukomisch ist. Nackte Menschen, die sich verrenken, schwitzen, Geräusche machen – das ist doch nicht nur heiß, sondern oft auch absurd. Ich finde, Erotik wird nicht schlechter durch Humor, sondern meistens besser.


Sie nennen Ihre Arbeit feministische Pornografie. Was meinen Sie damit?

Dass Erregung und Intelligenz sich nicht ausschließen. Und dass Sexualität nicht automatisch interessanter wird, wenn Grenzverletzungen mitlaufen. Lange wurde alles, was erregt, reflexhaft als minderwertig behandelt. Gleichzeitig beobachte ich heute eine neue Verklemmung, besonders bei jüngeren Frauen. Aus dem befreienden „alles kann“ ist oft ein erschöpfendes „alles muss“ geworden.


Ihre Bücher wirken trotzdem leicht. Nie didaktisch.

Weil ich keine Sachbücher schreibe. Meine Romane sind Fiktion, Märchen für Erwachsene. Aber ich glaube schon, dass sich Vorstellungen verändern, wenn man zeigt, wie Lust auch aussehen könnte: selbstverständlich, spielerisch, frei. Nicht nur, wenn man Missstände anklagt.


Was würden Sie Frauen raten, die ihre Lust erkunden möchten?

Keinen Stress. Von niemandem. Nicht von Freundinnen, nicht von Ideologien, nicht von Ratgebern. Der einzige Maßstab in der Sexualität ist man selbst. Probiert aus, sprecht, vertraut euch — und schützt euch. Wenn etwas sich falsch anfühlt, geht.


Das vollständige Interview erschien in Perfumed Garden, Ausgabe 9.Hier weiterlesen

 
 
 

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